Die Gesamtschule Brünninghausen wurde in das Netzwerk
Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage
aufgenommen.
In einer facettenreichen Veranstaltung überreichte Frau Rammert im Auftrag des kommunalen Integrationszentrum der Stadt Dortmund unserer Schule feierlich das Siegel. Als Pate für dieses Engagement hielt Norbert Dickel eine schülerzugewandte und motivierende Ansprache. Für die Organisation und gelungene Durchführung danken wir unserer Schüler*innenvertretung und allen beteiligten Lehrkräften.
Die Gesamtschule Brünninghausen steht für Toleranz und Vielfalt ein.


Ansprache von Norbert Dickel am 20.02.2026 in der Gesamtschule Brünninghausen
Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Lehrerinnen und Lehrer,
liebe Eltern, liebe Gäste,
ich freue mich sehr, heute hier zu sein – und ich sage es ganz ehrlich: Es berührt mich sehr, dass ich Pate einer Schule sein darf, die sagt: „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.“
Dieser Titel ist kein Pokal, den man ins Regal stellt. Er ist ein Versprechen.
Ein Versprechen, das ihr als Schulgemeinschaft ernst nehmt – nicht nur bei besonderen Anlässen, sondern jeden Tag auf dem Flur, im Klassenraum, auf dem Pausenhof und auch im digitalen Raum.
Courage heißt nicht: „Ich habe keine Angst.“
Courage heißt: „Ich tue es trotzdem.“
Trotz eines blöden Spruchs.
Trotz Gruppendruck.
Trotz „Ach komm, war doch nur Spaß“.
Denn Rassismus beginnt oft nicht mit einer großen, bösen Tat.
Er beginnt manchmal ganz klein: mit Auslachen. Mit Nachmachen. Mit Ausgrenzen. Mit Spitznamen. Mit „Du gehörst nicht dazu“.
Wie fühlt sich das an, wenn man nicht dazugehört?
Wenn man in eine Gruppe kommt und merkt: Die reden über mich.
Wenn man etwas sagt – und andere verdrehen die Augen.
Wenn man jeden Tag das Gefühl hat, man muss sich beweisen, nur weil man anders aussieht, anders spricht, anders glaubt – oder weil die Eltern woanders herkommen.
Hier in Dortmund, hier im Ruhrgebiet, wissen wir: Vielfalt ist keine Mode. Vielfalt ist unsere Geschichte.
Das Ruhrgebiet ist groß geworden, weil Menschen gekommen sind: aus anderen Regionen, aus anderen Ländern, mit anderen Sprachen – um zu arbeiten, um zu leben, um eine Zukunft aufzubauen. Es war nicht immer leicht. Es gab Vorurteile, es gab Ausgrenzung. Und trotzdem ist aus vielen „Fremden“ ein starkes „Wir“ geworden.
Genau das bedeutet „Schule mit Courage“: Platz machen.
Nicht im Sinne von „Geh mal zur Seite“, sondern im Sinne von:
„Ich sehe dich. Du gehörst dazu. Wir gehen gemeinsam.“
Miteinander beginnt im Kleinen:
„Komm, setz dich zu uns.“
„Lass ihn ausreden.“
„Hör auf damit – das ist nicht okay.“
„Ich geh mit dir.“
„Ich hol Hilfe.“
Manchmal reicht ein einziger Mensch, der aufsteht, damit andere sich trauen.
Und manchmal reicht ein einziger Satz, damit jemand nicht zusammenbricht.
Ihr müsst nicht perfekt sein.
„Schule ohne Rassismus“ heißt nicht, dass nie etwas passiert.
Es heißt: Wenn etwas passiert, schaut ihr nicht weg.
Und an die Erwachsenen: Kinder lernen nicht nur Mathe und Deutsch.
Sie lernen auch: Wie reden wir miteinander? Wie gehen wir mit Fehlern um? Wie lösen wir Konflikte?
Wenn wir wollen, dass Jugendliche Courage zeigen, dann brauchen sie Erwachsene, die Courage vorleben.
Als Pate verspreche ich euch: Ich bin nicht nur für ein Foto da. Ich unterstütze euch, wenn ihr Projekte plant, wenn ihr Ideen habt, wenn ihr Rückenwind braucht.
Aber ich wünsche mir auch etwas von euch:
Wenn ihr einen Spruch hört, der jemanden klein macht – seid nicht die Person, die lacht.
Seid die Person, die sagt: „Stopp.“
Wenn jemand allein ist – seid nicht die Person, die vorbeigeht.
Seid die Person, die fragt: „Alles okay?“
Wenn jemand neu ist – seid nicht die Person, die mustert.
Seid die Person, die sagt: „Willkommen.“
Respekt heißt: Ich muss nicht so sein wie du, um dich fair zu behandeln.
Respekt heißt: Deine Würde hängt nicht davon ab, ob ich dich mag.
Respekt heißt: Wir streiten – aber wir entmenschlichen uns nicht.
Wenn eine Schule das wirklich lebt, dann verändert das mehr als nur einen Pausenhof.
Dann tragen Kinder diese Haltung nach Hause.
Dann wird aus einem Schulhof ein Ort, an dem man atmen kann.
Dann wird aus „Wir und die“ wieder „Wir“.
Eure Courage heute ist das Klima, in dem unsere Stadt morgen lebt.
Lasst uns Dortmund zu einem Ort machen, an dem man nicht fragt:
„Wo kommst du wirklich her?“
sondern sagt: „Gut, dass du da bist.“
Vielen Dank.
