Besuch der 10d im BVB-Lernzentrum

„Am 01. März 1943 habe ich meinen Vater Julius Hirsch zum Hauptbahnhof in Karlsruhe gebracht, und von dort wurde er abtransportiert, in einem normalen Zugabteil. Es war eines der schrecklichsten Erlebnisse meines Lebens. Es war ein strahlend schöner Tag. Noch heute kann ich nicht begreifen, dass an diesem Tag die Sonne scheinen konnte! Wir haben nicht geglaubt, dass wir ihn nie mehr wiedersehen werden. […] Mein Vater hatte keinen Gedanken daran, dass ihm die Deutschen etwas antun könnten. Er hat sich das gar nicht vorstellen können, als Frontkämpfer [im Ersten Weltkrieg] und als bekannter Fußball-Nationalspieler.“ (Esther Hirsch, Tochter von Julius Hirsch, 2006)

Am 22. und 23. Januar 2026 erlebte die Klasse 10d der GSB zwei besondere Schultage im BVB-Lernzentrum unter der Dortmunder Südtribüne und war Teil der Themenwoche Fußball-Erinnerung-Verantwortung, die vom Verein Zweitzeugen durchgeführt wurde.

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen des Lebens von Julius Hirsch, einem ehemaligen Fußballnationalspieler jüdischen Glaubens, der von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet wurde. Auch das Schicksal seines Sohnes Heinold Hirsch, der am 14. Februar 1945 in das KZ Theresienstadt deportiert wurde, sowie seines Enkels Andreas Hirsch wurde thematisiert. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren dabei nicht nur historische Fakten, sondern auch sehr persönliche Geschichten, die das Ausmaß von Ausgrenzung und Verfolgung während der NS-Zeit verdeutlichten und den Blick für Antisemitismus und Diskriminierung in der Gegenwart weiter schärften.

Ergänzt wurde der Besuch durch eine Stadionführung, die uns nicht nur in die Heimkabine, sondern auch über den Stadiontunnel bis zur Auswechselbank unmittelbar vor den Rasen führte. Abgerundet wurde der Tag durch einen Besuch im Borusseum, in dem die Schülerinnen und Schüler tiefere Einblicke in die Geschichte von Borussia Dortmund erhielten.

Am Freitag folgte dann ein besonderer Höhepunkt: Gemeinsam mit zwei weiteren Klassen nahm die 10d an einer Videokonferenz mit Andreas Hirsch, dem Enkel von Julius Hirsch, teil. In diesem direkten Austausch beantwortete er unsere Fragen, die wir am Vortag erarbeitet hatten und für die wir von Herrn Hirsch viel Lob erhielten. Das Gespräch machte Geschichte greifbar, war emotional bewegend und ermutigte, sich in der Gegenwart und Zukunft aktiv gegen Antisemitismus und Diskriminierung einzusetzen.

Vielen Dank an Zweitzeugen e.V. und das BVB-Lernzentrum für die beiden tollen Tage!